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13. Februar 2009

Soziologie – was ist das?

Die Soziologie ist noch eine relativ junge Wissenschaft, deren Bezeichnung auf den Franzosen Auguste Comte (1798 – 1857) zurückgeht. Das Wort Soziologie setzt sich aus dem lateinischen „socius“ (=Gefährte) und dem griechischen „lуgos“ (=Wort, Rede, Sinn…) zusammen. Als Wissenschaft entstand sie aus dem Bedürfnis, die Gesellschaft und ihre Phänomene nicht nur zu verstehen, sondern auch zu ändern. Aus den Geisteswissenschaften erwachsen stellt sie heute den Kernbereich der Sozialwissenschaften dar.

 

Soziologie befasst sich mit dem Ursprung, der Entwicklung und den Zusammenhängen der Gesellschaft und versucht, sie aus allgemeinen Prinzipien heraus zu erklären. Auf die enge Verknüpfung von Theorie und Praxis wird dabei besonderer Wert gelegt. Da die Gesellschaft und ihre Phänomene als vom Menschen geschaffen aufgefasst werden, kann die Gesellschaft und ihre Teilbereiche somit auch gestaltet und auf die menschlichen Bedürfnisse hin ausgerichtet werden.

 

Nach Max Weber – einem der deutschen Gründungsväter der Soziologie – ist Soziologie eine Wissenschaft, welche soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich erklären will. Vereinfacht ausgedrückt ist die Soziologie jene Wissenschaft, die menschliches Zusammenleben beobachtet, beschreibt, interpretiert, analysiert und aktiv mitgestalten will.

 

Ausgangspunkt ist dabei das menschliche Handeln und dessen Wechselwirkungen mit sozialen Prozessen und sozialen Strukturen. Alltägliche Interaktionen zwischen Personen im beruflichen wie im privaten Bereich sind dabei ebenso Gegenstand der Soziologie wie andererseits Gruppenprozesse, Abläufe in Organisationen, gesamtgesellschaftliche Verteilungsstrukturen oder globale Prozesse. Um zur Bewältigung konkreter sozialer Probleme beizutragen, analysiert und bewertet die Soziologie komplexe soziale Konstellationen auf allen gesellschaftlichen Ebenen mittels soziologischer Methoden und Theorien.

 

SoziologInnen fragen in ihrer Arbeit nach dem Sinn und den Strukturen sozialen Handelns, nach den damit verbundenen Werten und Normen; sie analysieren nicht nur die Gesellschaft als Ganzes, sondern auch ihre Teilbereiche wie soziale Systeme, Institutionen, Organisationen, Gruppen und auch den sozialen Wandel. Soziologen hinterfragen die Bedeutung und die Auswirkungen von sozialen Tatbeständen (z. B. Masseneuphorie,-panik, Sitten, öffentliche Meinung etc.) auf das soziale Zusammenleben.

 

Je nach Ausgangspunkt der Betrachtung unterteilt man die Soziologie in eine Mikro- und eine Makrosoziologie. Die Mikrosoziologie widmet sich den sozialen Beziehungen zwischen Personen und Gruppen. Die Schwerpunkte liegen dabei auf der Familie, den Sozialisationsprozessen und sozialen Netzwerken. Während die Mikrosoziologie das Verhältnis zwischen Akteur und Gesellschaft analysiert und auf Akteursebene ansetzt, erforscht die Makrosoziologie Gemeinsamkeiten und Gegensätze in großen sozialen Gebilden. Letztere befasst sich mit den Gesetzmäßigkeiten bei der Entwicklung und Veränderung gesellschaftlicher Phänomene, also beispielsweise der Entwicklung der Bevölkerung, der Industrie, eines gesellschaftlichen Systems oder Verbänden, größeren Organisationen u. dgl. Zum Unterschied von Gruppen auf der Mikroebene, wo sich das Handeln auf einzelne Akteure bezieht, entsprechen der Makroebene jene Gebilde, die einen stabilen und institutionalisierten Rahmen und eine von allen Teilnehmern gemeinsam anerkannte Vorstellung von der Ordnung des Verbandes aufweisen.

In unserer komplexen Gesellschaft funktioniert jedoch eine starre Trennung in Makro- und Mikrosoziologie nicht immer. Der Übergang ist oftmals fließend und so wird heute auch immer öfter von einer Makro-Mikro-Soziologie gesprochen.

 

Hinsichtlich der Themenbereiche unterscheidet man zwischen jenen, die für die Soziologie generelle Gültigkeit beanspruchen – diese werden der allgemeinen Soziologie zugerechnet – und solchen, die sich mit Teilbereichen/-systemen der Gesellschaft und mit deren Strukturen und Prozessen befassen (spezielle Soziologien).

 

Mit anderen Worten: das Grundwissen der SoziologInnen wird mit der Allgemeinen Soziologie abgedeckt. Hier geht es um Themen wie Sozialisation, soziale Interaktion, Gruppen, Rollen, sozialer Wandel, Mobilität, soziale Ungleichheit, Macht, Herrschaft, Schicht, Klasse, Elite usf.

Bei den speziellen Soziologien – man nennt sie auch „Bindestrich-Soziologien“ findet man einige, welche für große Bereiche stehen, andere wiederum erweisen sich als Spezialgebiete, die lediglich von wenigen SoziologInnen erforscht werden.

 

Im Gegensatz zu den Naturwissenschaften, wo „Gesetze“ aufgrund von Experimenten nachgewiesen werden können, haben die Sozialwissenschaften das große Problem, solche Experimente kaum bzw. nur unter großen Einschränkungen durchführen zu können. Der Untersuchungsgegenstand in der Soziologie ist Subjekt und Objekt zugleich, interagiert mit seiner komplexen Umwelt und kann nicht – wie für ein Experiment notwendig – isoliert betrachtet werden. Dasselbe trifft auch für den Untersuchenden zu. Die Soziologie wird aus diesem Grund immer auf Beobachtungen angewiesen sein. Die dafür angewandten Methoden können zwar weitgehend verfeinert werden, doch Prognosen – wie wir sie von den Naturwissenschaften her kennen – gehen lediglich mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit einher.

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