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28. Juli 2009

Elisabeth Noelle (1916)

Filed under: Uncategorized — bjh @ 12:18

Elisabeth Noelle-Neumann ist Gründerin des Instituts für Demoskopie Allensbach und emeritierte Universitätprofessorin für Publizistik an der Universität Mainz. Als Pionierin der Demoskopie in Deutschland ebnete sie den Weg für die heute allseits üblichen Repräsentativumfragen.  Ihr Buch über die Schweigespirale, welches in mehr als zwei Dutzend Sprachen übersetzt wurde, gilt bis heute als Klassiker.

Menschen empfinden Isolationsfurcht und haben eine natürliche Scheu, von ihrer Umgebung zurückgewiesen zu werden. Sie beobachten deshalb das Verhalten ihrer Umwelt und registrieren aufmerksam, welche Meinungen und Verhaltensweisen in der Öffentlichkeit gebilligtwerden und welche nicht. Da die meisten Menschen Isolation scheuen, neigen sie dazu, sich mit öffentlichen Äußerungen zurückzuhalten, wenn sie merken, dass sie mit ihrer Meinung empörten Widerspruch, Lachen, Verachtung oder ähnliche Isolationsdrohungen auf sich ziehen. Umgekehrt werden diejenigen, die mit ihrer Meinung Beifall finden, diese ohne Furcht und gegebenenfalls laut vertreten. Dadurch verstärken sie zugleich die Isolationsdrohung gegenüber den Anhängern der Gegenposition. Ein Spiralprozess setzt ein, der dazu führt, dass das eine Meinungslager immer lauter und selbstbewusster wird und das andere mehr oder weniger verstummt. Dieser Prozess ist nicht immer und überall anzutreffen, sondern nur bei Themen, die eine starke moralische Aufladung besitzen, also bei denen Ideologie und Emotionen im Spiel sind. Ohne moralische Begründung kommt der Prozess der öffentlichen Meinung nicht in Gang. Wer anders denkt, ist nicht dumm, sondern schlecht. Aus dem moralischen Element zieht die öffentliche Meinung ihre Kraft, ihre Isolationsdrohung, welche die Schweigespirale in Gang setzt.

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