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18. Oktober 2009

Lebensqualität

Filed under: Bernhard Hofer — bjh @ 18:27

vom Wohlfahrtsbegriff zum interdisziplinären Forschungsfeld

von Bernhard Hofer

(aus: Public Observer Nr. 26 v. 22. 9. 2006)

Ob in der Politik, Medizin oder der Regionalarbeit – der Begriff Lebensqualität ist heute in aller Munde. Doch was versteht man eigentlich darunter, oder besser: was gilt es dabei zu beachten? Auf den folgenden Seiten begeben wir uns auf die historischen Spuren der Lebensqualitätsforschung und stellen erste Überlegungen zu einer Erweiterung der Wahrnehmung von Lebensqualität zur Diskussion.

1. Ausgangslage
1.1. historische Entwicklung
Lebensqualität und Wohlstand sind eng miteinander verbunden. Beide Begriffe können als Teile eines übergreifenden Konzepts der Wohlfahrt betrachtet werden. Adam SMITH unterschied bereits drei Stufen des Wohlstandes: Subsistence, Conveniency und Luxury.1)

Der erste, der den Begriff Lebensqualität verwendete, dürfte der Begründer der Wohlfahrtsökonomie, Arthur Cecil PIQUO, gewesen sein. In seinem Werk „Economics of Welfare“ (1920) finden wir die Bezeichnung „Quality of Life“ für nicht ökonomische
Wohlfahrtsaspekte. Mit dem Aufkommen der Wohlstands-Diskussion Ende der 50er Jahre lösten vermehrt mehrdimensionale und qualitativ orientierte Ansätze die bis dahin vorwiegend auf Wachstum ausgerichteten Wohlfahrtskonzepte ab. Populär wurde der Begriff Lebensqualität 1958 von dem in Kanada geborenen Johan Kenneth
GALBRAIGHT. In seinem damals erschienenen Buch „The Affluent Society“ wandte er sich gegen die vorherrschende ökonomische Lehrmeinung und den „American Way of Life“.

Einer der ersten im Bereich der Sozialindikatorenforschung dürfte wohl Raymond BAUER in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts gewesen sein. Sein Werk „Social Indicators“ zählt inzwischen zu den Klassikern. Der Begriff der Lebensqualität fand Eingang in die modernen Wohlfahrtstheorien. Als wissenschaftlicher und politischer Begriff variieren die Definitionen seitens der zahlreichen Autoren noch bis heute. Man unterschied zwischen Wohlstand – auch Lebensstandard genannt -, worunter man die Verfügung über Einkommen, Vermögen sowie den Besitz und Konsum von Gütern und Dienstleistungen´verstand und Wohlbefinden, welche das Individuum, seine Wahrnehmungen, Situationsdefinitionen, kognitive Bewertung und Gefühlszustände in den Vordergrund stellte.2)

In den 70er Jahren haben sich drei grundlegende Ansätze durchgesetzt: ein objektivierter Ansatz, welcher Lebensqualität unter dem Gesichtspunkt der optimalen Ressourcenausstattung behandelt und die Verantwortung dafür dem Sozialstaat überträgt; ein subjektivierter, individualistischer Ansatz, der das Streben nach individuellem Glück als Ursache und Ziel menschlichen Handelns darstellt und die Beurteilung der Lebensumstände den Betroffenen zuweist; und eine Mischform bestehend aus guten Lebensbedingungen, für welche Staat, Markt und der sog. 3. Sektor gleichermaßen verantwortlich sind und die mit einem subjektiven Wohlbefinden einhergehen.

Der finnische Soziologe Erik ALLARDT schließlich brachte in die Wohlfahrtsbetrachtung eine objektive und eine subjektive Dimension ein. ALLARDT unterscheidet dabei den Lebensstandard (level of living), welcher sich hauptsächlich auf die materiellen Bedürfnisse (having) bezieht, von der Lebensqualität, die auch die Bedürfnisse nach Zugehörigkeit (loving) und Selbstverwirklichung (being) beinhaltet. In Deutschland waren es Anfang der 80er Jahre GLATZER/ZAPF, 3)welche sich erstmals mit der Thematik Lebensqualität in der Bundesrepublik Deutschland auseinander setzten und diesem Thema noch viele Untersuchungen folgen ließen.

„Unter Lebensqualität verstehen wir … gute Lebensbedingungen, die mit einem positiven, subjektiven Wohlbefinden zusammengehen… Unter Lebensbedingungen verstehen wir… Einkommen, Wohnverhältnisse, Arbeitsbedingungen, Familienbeziehungen und soziale Kontakte, Gesundheit, soziale und politische Beteiligung. Unter subjektivem Wohlbefinden verstehen wir die von den Betroffenen selbst abgegebenen Einschätzungen über spezifische Lebensbedingungen und über das Leben im allgemeinen. Dazu gehören insbesondere Zufriedenheitsangaben, aber auch generelle kognitive und emotive Gehalte wie Hoffnungen und Ängste, Glück und Einsamkeit, Erwartungenund Ansprüche, Kompetenzen und Unsicherheiten, wahrgenommene Konflikte und Prioritäten.“ 4)

Die heutige Lebensqualitätsforschung geht von folgendem Grundverständnis aus: Lebensqualität umfasst „sowohl materielle wie auch immaterielle, objektive und subjektive, individuelle und kollektive Wohlfahrtskomponenten gleichzeitig …. und (betont) das ‚ besser’ gegenüber dem ‚mehr’.“ 5)

Die aus dem anglikanischen Raum stammende Happiness-Forschung weist enge Verbindungen zur späteren Lebensqualitätsforschung auf. In der amerikanischen Verfassung ist der „Pursuit of Happiness“ auch als wesentliche Grundlage verankert.

Amerika brachte die Sichtweise ein, dass Lebensbedingungen – je nach Blickwinkel – unterschiedlich bewertet werden, also dass gesellschaftlich Privilegierte unzufrieden und Unterprivilegierte durchaus auch zufrieden sein können. Prägend waren hier vor allem die Studien „Quality of American Life“ 6) und „American Perception of Life Quality“.7) Für den Zeitraum 1984 bis 1998 veröffentlichte The International Society for Quality-of-Life Studies 8) 1998 eine Bibliographie ausgewählter Forschungsarbeiten zum Thema Lebensqualität und Sozialindikatoren. Darin wird u. a. auch die Lebensqualität von bestimmten Personengruppen wie Frauen, Jugend, Kinder, ethnische Minderheiten, Ältere, Arme und College- Studenten untersucht.

Ruut VEENHOVEN, Soziologieprofessor an der Erasmus-Universität Rotterdam, erstellte eine Datenbank zum Thema „Happiness“. Derzeit beinhaltet diese Datenbank u. a. rund 2300 Umfragen aus 112 Nationen für den Zeitraum 1946 – 2004. Er ist auch Herausgeber des „ Journal of Happiness Studies“, einem interdisziplinärem Forum zum Thema subjektives Wohlbefinden. In den 80er und 90er Jahren erschienen neue, für die Lebensqualität relevante, Konzepte: Sustainable Development, Human Development, Livability („Lebbarkeit“), Social Capital etc. Lebensqualität soll nunmehr verstärkt auch Generationengerechtigkeit, ökologisches Verhalten aktive Beteiligungs- und Gestaltungsmöglichkeiten etc. beinhalten.

Anfang der 90er Jahre wurde mit der Lokalen Agenda 21 eine enge Verbindung zwischen Nachhaltigkeit und Lebensqualität hergestellt. Die Lokale Agenda 21 stellt den gesellschaftlichen Prozess, der zu nachhaltiger Entfaltung führen soll, in den Mittelpunkt: Ziel des Prozesses der LA21 ist die Erarbeitung eines kommunalen Gesellschaftsvertrages zur Sicherung nachhaltiger Entwicklung. Nur durch eine nachhaltige Gemeinde- und Regionalentwicklung könne die Lebensqualität für die BürgerInnen sichergestellt werden.

1.2. derzeitiger Stand der Forschung
Heute stehen im großen und ganzen zwei Auffassungen einander gegenüber, welche in der Praxis konvergieren: die objektivistische und die subjektivistische Position. Während die Objektivisten davon ausgehen, dass Lebensqualität über den Zugang zu Ressourcen, aus welchen dann subjektive Ansprüche erwachsen, erklärt wird, versuchen die Subjektivisten, Lebensqualität vorwiegend aus den subjektiven Ansprüchen und der Zufriedenheit mit Lebensbedingungen zu erklären.

In der Öffentlichkeit herrscht zum Teil die bislang noch unausgesprochene Meinung vor, dass Lebensqualität in erster Linie von einer durch (teil-)öffentliche Infrastruktur finanzierten Verbesserung der Lebensverhältnisse abhängt. Auch die sozialwissenschaftliche Forschung beschränkt sich oftmals darauf, Items abzufragen, welche lediglich Aufschluss über Veränderungen bei den Lebensverhältnissen geben. Den Befragten wird jedoch kaum die Möglichkeit eingeräumt, ihre subjektiv spezifische Sichtweise von Lebensqualität zu verbalisieren und somit dem Begriff der Lebensqualität ein möglicherweise breiteres und tieferes Spektrum als bisher zu verleihen.

In der Medizin wurde der Begriff Lebensqualität zunächst sehr zögerlich verwendet. Erst im letzten Jahrzehnt machte sich hier ein regelrechter Boom bemerkbar, der sich auf epidemiologische und klinische Studien und insbesondere in Studien zur Qualitätssicherung äußerte.

Die Messung von Lebensqualität stellt in der Tat eine besondere Schwierigkeit dar. Allein in der Medizin existieren über 800 Lebensqualitätsparameter, welche sich bereits im Aufbau voneinander stark unterscheiden. Hier besteht ein weitgehender Konsens darüber, dass die
empfundene Lebensqualität in erster Linie durch den Patienten beschrieben werden kann. Dies setzt allerdings voraus, dass dieser auch selbst in der Lage ist, seine Situation zu beurteilen. Wo dies nicht der Fall ist, muss auf eine Fremdeinschätzung zurückgegriffen werden. Der Großteil der Forschungen bezieht sich dabei auf die Erfassung der wahrgenommenen Lebensqualität von Patienten mit schweren oder lebensbedrohlichen Erkrankungen, z. B. Herz- Kreislauf-Patienten oder Patienten mit Nieren oder Lebertransplantation.

Bezieht man sich auf die Lebensqualitäts- Definition der WHO, 9) so wird Lebensqualität als individuelle Wahrnehmung der jeweiligen Lebensstellung im kulturellen Kontext und im Kontext des Wertesystem definiert, in welchem man lebt und in bezug auf ihre Ziele, Erwartungen, Standards und Anliegen. Es ist dies ein breit angelegtes komplexes Konzept, welches den physischen und psychischen Gesundheitszustand, Abhängigkeiten, Sozialkontakte und den Zugang zu Grundressourcen einschließt.

1.3. dzt. Stand der Forschung/Analyse der Lebensqualität
Mit ihrem Projekt „Modellkommunen“ untersuchte die Bertelsmann Stiftung Anfang 2000, wie die Standortqualität langfristig in den Kommunen gesichert werden kann oder wie sich die Lebensqualität der Bevölkerung weiter verbessern lässt.
In der allgemeinen wissenschaftlichen Literatur werden zumeist mittels Systemen von Sozialindikatoren Zieldimensionen, Zielwerte und Ergebnisse regelmäßig beobachtet und bewertet, um damit mögliche Wohlfahrtsdefizite bei bestimmten Gruppen, Regionen bzw. Lebensbereichen zu identifizieren.

In der empirischen Forschung hat sich die Unterscheidung und Gegenüberstellung von objektiven Lebensbedingungen und subjektivem Wohlbefinden zur Untersuchung der Lebensqualität etabliert. In den letzten Jahrzehnten wurden zahlreiche empirische Studien zur Lebensqualität und Wohlfahrtsentwicklung durchgeführt. Eine Messung dieser Lebensqualität erfolgt dabei zumeist über sogenannte Dimensionen.
LAWTON10) beispielsweise geht in seinem Modell von vier Dimensionen der Lebensqualität bei demenziell erkrankten Menschen aus: subjektives Wohlbefinden, objektive Umwelt, erlebte Lebensqualität und Verhaltenskompetenz. Das Heidelberger Instrument zur Erfassung von Lebensqualität bei Demenz (H.I.L.DE)11) entwickelte daraus eine noch größere Anzahl von Dimensionen, welche sich im Sinne eines umfassenden Assessments nutzen lassen. Für eine möglichst umfassende Erforschung der Lebensqualität erweist sich ein derzeit laufendes Pilotprojekt der Gesundheitsförderung Schweiz und des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums12) als besonders interessant. Im Grundmodell dieses Lebensqualitätskonzepts werden objektive Lebensbedingungen und subjektives Wohlbefinden als zwei aufeinander bezogene Aspekte eines übergeordneten Lebensqualitätsbegriffs verstanden. Zwischen objektiven Strukturen und subjektivem Wohlbefinden wirkt eine Reihe von vermittelnden Variablen (z. B. sozialpsychologische
Dispositionen und Handlungskontexte von Gruppen und Individuen). Ein wesentliches Merkmal dieses Lebensqualitätskonzepts besteht darin, dass es sich nicht nur an gesundheitsrelevanten Strukturen orientiert, sondern den gesamten gesellschaftlichen Kontext betrachtet.

Für weitere Überlegungen erweist sich auch die Untersuchung von Bernhard CHRISTOPH und Heinz-Herbert NOLL13) über das subjektive Wohlbefinden in der Europäischen Union in den 90er Jahren als fruchtbar. Hierin wurden erste Unterschiede zwischen drei Altersgruppen (20- 29jährige, 45-64jährige und über 65jährige) erhoben. Für die Analyse wurden größtenteils die Eurobarometer-Umfragedaten zwischen 1991 und 2000 herangezogen. Allerdings beschränkte sich diese Untersuchung auf die Lebenszufriedenheit von vier Bereichen: Arbeitszufriedenheit, finanzielle Zufriedenheit, Wohnzufriedenheit und Zufriedenheit mit der Freizeit. Bereiche wie Gesundheit (physisch, psychisch), Sozialkontakte, Engagement, Werte, Erwartungen etc. wurden dabei fast völlig vernachlässigt.

Neuere Einblicke in die Lebensqualitätsforschung stammen in jüngster Zeit von Andreas GIGER 14) , welcher Lebensqualität als neuen Leitwert für die Zukunft bezeichnet. Er vergleicht die Veränderung der Wertelandschaft seit 1998 und stellt dabei spannende Veränderungen in der Wertelandschaft fest. Soweit die internationalen Forschungsergebnisse dem Autor zugänglich waren gibt es bis dato jedoch keine Studien hinsichtlich der Lebensqualität im intergenerationellen Kontext.

Insbesondere die generationenbezogene Sichtweise von Lebensqualität, der mögliche Wandel in den Vorstellungen von Lebensqualität bedingt durch Erfahrungen in den jeweiligen Lebenszyklen und eine damit verbundene Typologie wurden bislang von der Forschung vernachlässigt.

2. Eine erweiterte Sichtweise von „Lebensqualität“
2.1. Die vier objektiven und subjektiven Dimensionen von Lebensqualität
Berücksichtigt man den bisherigen Stand der Lebensqualitätsforschung, so erscheint es durchaus sinnvoll, Lebensqualität in vier Dimensionen (materiell, physisch, psychisch und sozial) und unter dem Gesichtspunkt der Objektivität und der Subjektivität zu analysieren. Diese vier Lebensqualitätsdimensionen vereinen in sich die zentralen Bereiche menschlichen Daseins und erleichtern die Zuordnung entsprechender Indikatoren.

2.2. zeitliche/intergenerationelle Komponente
Von der sozialwissenschaftlichen Forschung bisher nahezu unbeachtet blieb die zeitliche/ intergenerationelle Komponente, d. h. die Betrachtung aus dem Blickwinkel der jeweiligen Generationen15) , deren Verläufe und deren Verhältnisse zueinander. Dabei stellt sich die zentrale Frage, ob sich intergenerationelle, also generationenübergreifende Muster in der
Wahrnehmung und Internalisierung von Lebensqualität erkennen lassen und – wenn vorhanden – ob diese auch typisiert werden können.

2.3. Lebensqualitäts-Typen
Typologien in der sozialwissenschaftlichen Forschung fanden ihren Aufstieg mit Max WEBERS „Idealtypus“, einem nicht normativen, empirischen Begriff zur Erklärung und Zusammenschau als „typisch“ geltender bzw. einem Typus zurechenbarer Strukturen und Prozesse der sozialen Wirklichkeit. Obwohl die von Max WEBER damit angestrebte Methodenautonomie der Sozialwissenschaften umstritten geblieben ist, finden wir bis heute zahlreiche Anhänger und Verfechter von Typologienbildung in den verschiedensten Disziplinen (PARSONS, BLAU & SCOTT, GOULDNER, EYSENCKS, ETZIONI …).
Ein bestimmter „Lebensqualitäts-Typus“ ist demnach kein klassifikatorischer Begriff mit scharfen Grenzen, sondern ein Durchschnittsoder Häufigkeitstyp, der sich mit der Realität nur annäherungsweise decken kann und durch Steigerung eines oder mehrerer Merkmale bis zur letzten Konsequenz als Gedankenbild vorliegt. Nach Anton AMANN enthalten Typisierungen Zuschreibungen, die sich auf Personen oder Objekte richten und die Wahrnehmung für zukünftig auftretende Situationen formieren.16)

Wenn es gelingt, sich dem Begriff von Lebensqualität auf diese Art und Weise zu nähern und man sich dabei etwa an die Generationendefinition MANNHEIMS anlehnt, so sollte es möglich sein, Lebensqualitäts-Typen herauszubilden und zu beschreiben.

3. Überlegungen zur Neudefinition von Lebensqualität und multidimensionale Erfassung
Aufgrund der Vielfalt an Lebensqualitäts- Definitionen und Konzepte aus unterschiedlichen Wissenschaftsbereichen stellt sich die Lebensqualität als ein interdisziplinäres Forschungsfeld dar. Bislang wurde es verabsäumt, alle diese Definitionen systematisch zu ordnen.

Was müsste bei einer multidimensionalen Erfassung von Lebensqualität also vorwiegend berücksichtigt werden?
Aufgrund der aus den verschiedensten Wissenschaftsdisziplinen vorliegenden zahlreichen Indikatoren sollten unter den Kriterien der Verfügbarkeit und intergenerationellen Vergleichbarkeit statistischer Daten praktikable Indikatoren für die Erfassung objektiver
Lebensbedingungen ausgewählt und verwendet werden. Die Indikatorenauswahl für die Erfassung des subjektiven Wohlbefindens sollte insbesondere auch neueren gesellschaftlichen Entwicklungen – wie Generationengerechtigkeit, ökologisches Bewusstsein, aktive Beteiligungs- und Gestaltungsmöglichkeiten etc. – Rechnung tragen.

Lebensqualität sollte im intergenerationellen Kontext gemessen und analysiert werden. Unter „intergenerationell“ ist hier die Betrachtung „zwischen den Generationen“ gemeint. Jüngere haben einen anderen Zugang zur Beschreibung von Lebensqualität als Ältere, welche bereits ein unterschiedliches Erfahrungspotenzial mitbringen.
„Intergenerationelle Betrachtung“ beinhaltet auch die zwischen den ausgewählten Generationen ablaufenden Austauschprozesse, bisheriges, gegenwärtiges und künftiges Verhalten sowie die Einstellungen zur Lebensqualität. Durch den Fokus auf den intergenerationellen Kontext und durch eine (Neu)Definition des Lebensqualitätsbegriffs seitens der jeweiligen Zielgruppen wäre auch ein breiteres Spektrum zu den in den verschiedensten Wissenschaftsdisziplinen tradierten Lebensqualitätsaspekten gewährleistet.

Literaturangaben:

1) Vgl. Dahrendorf, Ralf: Lebenschancen. Anläufe zur
sozialen und politischen Theorie. Suhrkamp, 1979, Frankfurt
am Main, S. 110.
2) Vgl. Noll, Heinz-Herbert: Indikatoren des subjektiven
Wohlbefindens: Instrumente für die gesellschaftliche
Dauerbeobachtung. In: ZUMA-Nachrichten, No. 24, 1989, s.
26-41.
3) Glatzer, Wolfgang/Zapf, Wolfgang (Hrsg.): Lebensqualität
in der Bundesrepublik. Objektive Lebensbedingungen und
subjektives Wohlbefinden, Frankfurt/New York, 1984.
4) Zapf , Wol fgang: Ind ividue ll e Woh lfahr t :
Lebensbedingungen und wahrgenommene Lebensqualität. In:
Glatzer, W./Zapf, W.(Hrsg.): Lebensqualität in der
Bundesrepublik. Objektive Lebensbedingungen und
subjektives Wohlbefinden. Frankfurt/M./New York, 1984,
Campus, S. 23.
5) Noll, H.-H.: Konzepte der Wohlfahrtsentwicklung:
Lebensqual ität und neue Wohlfahr tskonzepte.
Überblicksanalyse im Rahmen des Querschnittsprojekts
Arbeit & Ökologie. Ms. Mannheim, 1999, S. 3.
6) Vgl. Campell, Angus/Converse, Philip E./Rodgers, Willard:
The Quality of American Life. 1976, New York, Russel Sage
Foundation.
7) Vgl. Andrews, F./Whithey, S.: Social Indicators of Well-
Being. American’s Perception of Life Quality. 1976, New York/
London.
8) Sirgy, M. Joseph: Quality-of-Life Studies and Social Indicators
Research: An Annotated Bibliography of Selected Works
(1984 – 1998), The International Society for Quality-of-Life
Studies, Virginia, USA, 1998.
9) WHO: QOL. The World Health Organization Quality of Life
assessment: position paper from the World Health Organization.
Soc.Sci.Med. 1995, 41: 1403-1409 und 1996, 17: 354-
356.
10) Lawton, MP/vanHaitsma K./Klapper, J.: Observed afflect
in nursing home residents with Altheimer’s disease. 1996,
Gerontol 51B:S. 3-14.
11) Becker, S./Kruse, A./Schröder, J./Seidel, U.: Das
Heidelberger Instrument zur Erfassung von Lebensqualität bei
Demenz (H.I.L.DE). Dimensionen von Lebensqualität und
deren Operationalisierung. Zeitschrift für Gerontologie und
Geriatrie. No. 197, 2005, Steinkopf Verlag, Darmstadt, S. 1-
14.
12) vgl.Gesundheitsobservatorium, 2002, Neuchâtel, http://
www.obsan.ch/monitoring/themen/d/index.htm, 25. 7. 2005.
13)vgl. Christoph, Bernhard; Noll, Heinz-Herbert: Subjective
Well-Being in the European Union during the 1990ies. In:
Social Indicators Research, Special Issue Vol. 64, 2003, S.
521-546.
14) Giger, Andreas: Lebensqualitätsmärkte. Wege aus der
Sättigungsfalle, Zukunftsinstitut GmbH, 1. Auflage, Frankfurt,
2004.
15) Allgemein betrachtet versteht man in der Soziologie unter
dem Begriff „Generation“ die „Gesamtheit der innerhalb eines
best immten zei t l i chen Spielraums geborenen
Gesellschaftsmitglieder, die durch ähnliche kulturelle
Orientierungen, soziale Einstellungen und Verhaltensweisen
geprägt sind.“ (Brockhaus Enzyklopädie, Bad 8, 19. Auflage,
Mannheim, F.A.Brockhaus, 1989, S. 286).
Für unsere Betrachtungen orientieren wir uns großteils an der
Definition von Karl Mannheim. Er charakterisiert das
Generationenphänomen durch das stete Einsetzen neuer
Kulturträger, den Abgang der früheren Kulturträger, die
Tatsache, dass die Träger eines jeweiligen
Generationenzusammenhangs nur an einem zeitlich
begrenzten Abschnitt des Geschichtsprozesses partizipieren,
die Notwendigkeit des steten Tradierens der akkumulierten
Kulturgüter und durch die Kontinuierlichkeit des
Generationswechsels (vgl. Mannheim, Karl: Das Problem der
Generationen. In: Friedeburg, Ludwig v. (Hrsg.): Jugend in der
modernen Gesellschaft. Neue Wissenschaftliche Bibliothek,
Kiepenheuer & Witsch, Köln-Berlin, 2. Auflage, 1965, S. 33 f.).
16) Amann, Anton: Soziologie. Ein Leitfaden zu Theorien,
Geschichte und Denkweisen, Böhlau-Verlag, Wien – Köln,
1986, S. 209.

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