soziologieheute-news

30. September 2016

The Utopian Paradigm – das utopische Paradigma

Filed under: Uncategorized — bjh @ 13:36

Fach- und subjektgeschichtliche Erinnerung
von Richard Albrecht

In this essay the author, a West German social scientist who is basically interested in futurology, tries to travel the road from
sociology of future to future of sociology. First of all the author gives an overview on the basic, and original, idea the German
social philosopher Ernst Bloch (b. 1885, d. 1977) sketched to overcome traditional logic by visioning a social world full of contradictions
and structurally open to different developments of the future. The genuine theory aims another different approach of focusing multidimensional structuring
of historical and societal situations, both given by the very simultaneity f the nonsimultaneous and the non-simultaneity of the simultaneous in every socio- historical
time. Looking on social tendencies in this manner might help social scientists making things which are still invisible progressively more and more visible. Given a rapidly changing social
world in all Western societies, the actual societal situation is structurally fluctuating and floating. More than ever before in history, the advanced Western societies
within a permanently westernized new ´one world´ will bear enormous fl uctuating processes, forming another civilization based upon subjectivity, refl exiveness,
responsiveness, and interpretation. All of this incorporated in the very present, but also foreshadowing a new social order by an overall “mental surplus” fluctuating at
the very backstage of every society.
*
Der Autor dieses Aufsatzes versucht in Form eines neuen Paradigmas eine alternative Perspektive für alle, die an zukünftiger kultur- und sozisozialwissenschaftlicher
Forschung als sozial- und kulturwissenschaftlicher Zukunftsforschung interessiert sind, zu entwickeln.
Zunächst geht es um die Aufarbeitung der so grundlegenden wie originellen Vorstellungen des deutschen Sozialphilosophen Ernst Bloch (1885-1977).
Ernst Bloch wollte mit Hilfe einer mehrwertigen dialektischen Logik einerseits die traditionelle Aristotelische Logik überwinden und andererseits
eine soziale Welt vorstellen, die voller Widersprüche zwischen Altem und Neuem, Gestern und Morgen, Nicht- Mehr- und Noch-Nicht-Sein existiert:
Eine soziale Welt in ständiger Veränderung und damit grundsätzlich offen für verschiedene zukünftige Entwicklungsmöglichkeiten. Die theoretischen Überlegungen Ernst
Blochs erfordern, meint Richard Albrecht, einen anderen und differenzierteren wissenschaftlichen Zugriff zur mehrdimensionalen konzeptionellen
Strukturierung gesellschaftlicher Prozesse und aller geschichtlich-gesellschaftlichen Lagen und Zeiten. Es geht um die grundlegende Vorstellung von
konkret-historisch immer gegebener, empirisch sowohl offen als auch verdeckt vorkommender, Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen und Ungleichzeitigkeit
des Gleichzeitigen. Dieses komplexe Bild stellt nach Auffassung des Autors einen ernstzunehmenden human-, kultur- und sozialwissenschaftlichen Näherungsversuch an bisher
weitgehend unsichtbare gesellschaftliche Entwicklungstendenzen dar.

Geht man wie Richard Albrecht davon aus, dass derzeit in allen westlichen Gegenwartsgesellschaften beschleunigte Wandlungs- und Umbruchsprozesse stattfinden, dann erscheint die
aktuelle soziale Welt grundsätzlich veränderbar und zukunftsoffen. Damit ist auch eine neue wissenschaftliche Perspektive für die Zukunft und in der Zukunft möglich und nötig. Es geht
um die Konturen eines neuen, wenn auch derzeit empirisch noch nicht voll ausgebildeten, Zivilisationsmodells als Grundlage einer zunehmend globaler werdenden neuen Welt.
Das künftige ´westliche´ Zivilisationsmodell könnte nach Auffassung des Autors auf vier Grundpfeilern beruhen:
auf Subjektivität, Refl exivität, Responsivität und Interpretativität. Dies sind wesentliche Elemente, die schon heute in den gegenwärtig erfahrbaren Umbruchs- und Wandlungsprozessen
(wenn auch empirisch noch nicht voll entfaltet) angelegt sind und die in den nächsten Jahrzehnten bedeutsamer werden. Jedes neue Zivilisationsmodell meint aber zugleich auch, die mit
dem empirisch immer bedeutsamer bwerdenden ´emotionalen Überschuß´ (Mental Surplus), den es in jeder Gesellschaft gibt, strukturell zusammenhängt. Damit dürfte sich zukünftig
– und zunehmend – auch wieder ein altes menschliches Grundproblem neu stellen: Wie eine gerechte(re) Sozialordnung möglich ist.

[The Utopian Paradigm: A Futurist Perspective;
in: Communications, 16 (1991) 3: 283-
317; Summary – Zusammenfassung: 317/18]

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